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Mein integrativer Supervisionsansatz

 

Der Begriff „integrativ“ zählt zu den häufigsten strapazierten Worten im supervisorischen Kontext.[1]

Die integrative Supervision verstehe ich als ein schulenübergreifendes Modell, welches die Methodenpluralität stringent theoretisch herleitet. Durch mein klares Konzept bei der Auswahl der Methoden habe ich ein umfassendes Instrumentarium, um die Erscheinungen der komplexen Supervisionsanforderungen angemessen zu bearbeiten.

Um mein planendes Handeln auf eine anthropologische und phänomenologische Erkenntnisbildung zu stellen bedarf es meines stabilen Welt und Menschenbild:

Mein Welt- und Menschenbild

Die Bedeutung des Menschenbildes für die Supervision

Bei seinem Handeln geht jeder Mensch, bewusst oder nicht, von der Annahme darüber aus, was und wie Menschen sind, warum sie so und nicht anders handeln, wie sie sich entwickeln und verändern, wie und warum es zu Störungen kommt und wie man Ihnen helfen oder, allgemeiner gesagt, sie beeinflussen kann.

Jeder hat also sein Menschenbild. Dabei handelt es sich um momentane Annahmen, um „basic beliefs“, d. h. Glaubensannahmen, die selbst nicht weiter beweisbar oder widerlegbar sind. Das Menschenbild ist aus Erfahrung gewachsen und bildet die Basis für Theorie und Praxis jeden einzelnen.

1.Postulat

 Das menschliche Wesen ist mehr als die Summe seiner einzelnen Teile.

Diese Formulierung stammt aus der Gestaltpsychologie. Er bedeutet, dass trotz der Wichtigkeit der Erkenntnis seiner Einzelfunktionen die Einzigartigkeit des Menschen als Ganzheit und Organismus Vorrang hat. In der Krankenpflege ist seit langem der Wunsch den Patienten ganzheitlich zu pflegen. Dennoch teilt der Klinikalltag den Menschen in seine physiologischen Teile. Somit ist die Heilungstendenz geschmälert. Die Gestaltpsychologie betont, dass beim Denken, bei Willenshandlungen und bei Bewegungsabläufen eine ganzheitliche Organisation nach übergreifenden Gestaltgesetzlichkeiten und dynamischen Gerichtheiten stattfindet.

Eine Trennung zwischen Materie und Geist ist nicht möglich. Gerade deshalb ist der Mensch mehr als nur das Zusammenfügen der einzelnen Körperteile. Man muss den Menschen in seinen ganzen Lebensbezügen erkennen. Sprechen, denken, fühlen und empfinden; es gibt keinen Ausschluss einer bestimmten Funktion, alles ist in „Jetzt“ vorhanden. Moreno beschreibt den Menschen als sich seiner kosmischen Zugehörigkeit bewusst und nimmt Teil, an der Einheit des Universums schöpferisch mitzugestalten.

2.Postulat

Menschliches Existieren vollzieht sich in zwischenmenschlichen Beziehungen. Er ist ein soziales Wesen.

Martin Buber sagte: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“. Ich kann mich nicht entziehen. Es ist immer das Spannungsfeld zwischen Individualität und Beziehungsangewiesenheit vorhanden. Das Grundbedürfnis nach Wärme, geliebt werden, Respekt, Sympathie und Annahme sind die gleichen Grundbedürfnisse wie nach Liebe und Zuneigung. Rogers vertritt die Auffassung, dass positive Anerkennung wichtig ist für die gesunde Entwicklung des Selbstbildes. Er unterscheidet zwischen unbedingter und bedingter positiver Anerkennung. Wenn Eltern ihrem Kind nur dann positive Anerkennung zuteil kommen lassen, wenn dieses etwas positives geleistet hat, wird das Kind gezwungen sein, seinen eigenen Erfahrungsprozess zu ignorieren, wenn immer es mit dem Selbstbild in Konflikt gerät. Das Kind macht die Erfahrung, das es positive Anerkennung erhält, wenn es nach den Maßstäben der Eltern handelt, so wird es alle Hassgefühle leugnen und darum kämpfen von sich selbst ein liebendes Bild zu entwerfen.

Der Psychiater Jasper sieht, dass der Mensch seine eigentliche Existenz nur in der Kommunikation mit anderen erreichen kann.

3.Postulat

Der Mensch ist sich seiner Selbst bewusst.

Er hat Bewusstsein über sich selbst. Diese Möglichkeit des bewussten Erlebens ist die Grundlage und Voraussetzung dafür, menschliche Erfahrungen (eigene und fremde) überhaupt verstehen zu können. Erleben und erfahren gehört zu den wichtigsten Annahmen im Humanismus. Im Gegensatz zur Psychoanalyse, wo unbewusste Kräfte den Menschen steuern, ist hier das aktuelle Geschehen oder evtl., das was noch nicht ganz bewusst ist, vorrangig. Gendlin spricht von implizitem Bewusstsein.

Subjektives Erleben und subjektive Bedeutungsbildung der Person stehen im Mittelpunkt, es kann kein objektives Wissen einer Person über eine andere geben. Wenn ich den phänomenologischen Ansatz ansehe, unterscheidet dieser zwischen objektiver (wie die Welt wirklich ist) und der subjektiven (wie ein Individuum die Welt sieht). Die Phänomenologen gehen davon aus, dass die einzig wichtige Realität die ist, welche von Subjekt wahrgenommen wird. Der Mensch nimmt die Mitmenschen und seine Welt auf eine einzigartige Weise wahr; diese Wahrnehmungen bilden sein Wahrnehmungsfeld.

 4.Postulat

Der Mensch ist in der Lage zu entscheiden.

Egal ob der Wille frei ist oder nicht, ich habe immer die Möglichkeit mich anders zu entscheiden und muss mich nicht dem Kontext beugen.

Wir können uns ändern. Diese Möglichkeit ist bereits in uns angelegt. Ich finde, dies ist das optimistischste und hoffnungsvollste Potential der Menschheit. Dadurch entsteht Wandel, das Leben ist ein Prozess und Entwicklung ist positiv. Nur Kranke entscheiden selbstzerstörerisch.

Es ist uns möglich, unser Tun zu erkennen, die Möglichkeiten abzuwägen und dann gestaltend auf unser Leben einwirken. Der Mensch ist Gestalter seiner eigenen Existenz.

Moreno stellte fest, dass der Mensch ein natürliches, freies Potential an Kreativität und Spontaneität besitzt. Er kann selbst entscheiden, wie er es zum Ausdruck bringt. Der gesunde Mensch agiert und dies geschieht im optimalen Fall ganzheitlich und konfliktfrei. Handeln, denken und fühlen stimmen miteinander überein. Morenos Überlegungen führen dahin, dass der Mensch Rollen übernehmen kann, diese selbst ausfüllen und spontan hier und jetzt übernehmen kann.

 5.Postulat

Der Mensch hat eine gerichtete Orientierung

Der Mensch wird als Organismus gesehen, der die Möglichkeiten auf Entfaltung in sich trägt. Grundlegend für die Entwicklung der Persönlichkeit sind die positiv erfahrenen Wertschätzungen der Eltern, aber auch von anderen. Das ist eine wichtige Annahme im humanistischen Denkmodell; es gibt etwas in uns, eine Kraft, eine Tendenz (Rogers nannte sie Aktualisierungstendenz). die wachsen und sich entfalten will, die auf etwas zu leben will.

In der Bedürfnis-Hierache nach Maslow finden sich nicht nur die Grundbedürfnisse zur Homöostase (Hunger, Durst, Sicherheit, soziale Kontakte, Beschäftigung), sondern auch das Bedürfnis nach Wachstum und Selbstverwirklichung. Grundsätzlich ist der Organismus vertrauenswürdig, er muss nicht erzogen, reglementiert oder sozialisiert werden.

Jeder Mensch hat ein fundamentales Recht auf die Entfaltung seines Potentials.

Ziel sei die Homöostase – ein Streben nach Spannungsausgleich.